Es sind fast 5 Jahre seitdem ich in den Salierring Nr. 5 gezogen
bin – mein geteiltes, schönes Zuhause. Verloren zwischen dem hässlichen
Barbarossaplatz und der Südstadt, keiner kann genau dieses Viertel in der Kölner Geographie situieren. Etwas verschämt über die Bedeutungslosigkeit dieser Ecke von Köln habe ich oft gesagt, dass ich in der „Südstadt“ lebe,
obwohl es nicht so ganz stimmt. Manchmal sagte ich einfach „Pantaleonsviertel“ (es ist eine alte Tradition Kölns die Nachbarschaften in der Innenstadt nach dem nächstliegenden Kirche zu nennen). Aber da kaum jemand weißt, wo die Pantaleonskirche ist (oder überhaupt weißt, dass es sie gibt), sage ich mittlerweile nur, dass ich am Salierring lebe. Meine kleine alte Heimat. Bedeutungslos und ohne Hip - im Vergleich zu der Südstadt und Ehrenfeld, Kalk oder Sülz, Nippes oder Deutz - alle gut bekannt, alle in ihrer Art und Weise hip.
Nicht so lange her hat mir so eine Random-Hipster gesagt, dass sie auch hier
in der Gegend früher gewohnt hätte und dass dieses Viertel überhaupt keinen echten „Charakter“ genoss, und dass es tatsächlich
ein „nichtssagendes“ Viertel wäre. Ah, diese armen Hipsters und ihre ewige
Suche nach Authentizität, ihr könnt mir alle bitte am Arsch lecken, der
Salierring und das umgebende Viertel hat mir ja diese letzten 5 Jahren meines Leben
viel gesagt. Und bevor ich ausziehe, möchte ich peu-a-peu einiges über diesen Ort erzählen. Allerdings
auf Deutsch, die Sprache, auf der zum größten Teil mein Leben abgeht,
auch wenn ich es riskiere, mich nicht so genau ausdrücken zu können, auch
wenn ich oft in die vielen Tappen einer verwirrenden Grammatik fallen kann, auch wenn ich es riskiere, nicht verstanden zu werden. Aber
das ist egal, denn warum soll ich in so einer gepflegten und schöner Art
schreiben wenn diese Nachbarschaft alles ist außer gepflegt und schön? Sie entstand aus der Not - und genauso aus der Not, mich zu kommunizieren, entstehen diese Texte wie die Betongebäude
der 60er und 70er Jahren in denen wir wohnen und die diese Landschaft prägen. 3 Linien der Straßenbahn
fahren durch unsere „nichtssagende“ Straße und das Quietschen der Bahnen ist wie das Quietschen meiner sprachlichen Impräzision. So laut und so ungepflegt wie diese Texte sein können, ist auch der Salierring - Hier ist kaum einen Baum oder schönes Motiv zu sehen, geschweige dem fehlenden architektonischen Konzept. Ein Tagestreff für Obdachlose der Diakonie zieht nicht immer die nüchternsten
Menschen an und viele skurrilen Szenen spielen jeden Tag und jede Nacht an der Haltestelle Eifelstr. ab.
Es mag wahr sein, dass der Salierring keine schöne Gegend ist, dass seine
Architektur eine absolute Katastrophe für die Kölner Landschaft darstellt und
dass hier auch nicht die interessantesten, hipsten Menschen wohnen, aber das ist
mir alles egal. Dieser Ort hat mir viele schönen, interessanten, merkwürdigen, traurigen und lustigen Momenten geschenkt. Und darüber möchte ich eine kurze Reihe von Texten schreiben. Das Risiko
der sprachlichen Imperfektion gehe ich gerne ein.
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